Veranstaltungen Museumspädagogik

Märchentag: Zwerge und Esel auf der Burg

26. Mai 2024

Eppstein – Beförderungen wie diese gibt es wohl nur im Märchen. Im vergangenen Jahr spielte Sven Meiners bei dem Märchentag auf der Burg noch einen Statisten. „Da ist ja der Esel“, begrüßt ihn Juliane Rödl, die erste Vorsitzende der Burgschauspieler, nun gut gelaunt, als sie an ihm vorbeihuscht, um das Tor aufzuschließen. In welcher Szene Meiners beim Märchentag auf der Burg am Sonntag, 26. Mai, zu sehen ist, könnte dem einen oder anderen Fan der Brüder Grimm damit schon klar sein. Die Eppsteiner Burgschauspieler haben sich allerdings einen kleinen Gag einfallen lassen, der die Geschichte lokaler verortet.

Meiners ist jedenfalls nicht der Einzige, der gleich mit seinem Rollennamen begrüßt wird. Die kleinen und großen Schauspieler trudeln nacheinander ein. Um 10 Uhr soll die Probe starten – zum ersten Mal auf der Burg, wo auch die drei Führungen am Märchentag um 11, 13 und 15 Uhr stattfinden werden. Die Besucher erwartet jeweils eine Szene aus bekannten und unbekannten Märchen.

„Da ist ja unsere Königin“, grüßt Rödl die nächste Burgschauspielerin. Petra Sager ist in diesem Jahr zum ersten Mal dabei. Sie hat sich an eine Sprechrolle herangetraut. „Frau Holle“, alias Helga Terzka, ist daneben fast schon ein „alter Hase“ mit ihren zehn Jahren bei den Burgschauspielern. Sie bringt ein Kissen mit, das nicht nur in ihrem Märchen als Requisit dient. Valerie rennt auf sie zu. Sie trägt schon das rote Kleid, das für die Aufführung vorgesehen ist. „Das ist ja mein Kissen“, ruft sie lachend.

Während im vergangenen Jahr neun Kinder mitgespielt haben, schlüpfen in diesem Jahr schon 16 Kinder in Hauptrollen, Nebenrollen oder laufen zumindest als Statistinnen und Statisten durch verschiedene Szenen. Am 19. Februar starteten die Kinder mit den Proben. Mittlerweile sitzt der Text, und Sonja von Saldern und Rödl können mit den jüngeren und älteren Schauspielern an den Nuancen arbeiten – Mimik und Gestik.

Beispielsweise eine Sache wird am Tag der Aufführung besonders wichtig sein: „Ihr müsst laut sprechen“, sagt Rödl. Die Proben zum Märchentag sind nicht nur durch die märchenhaften Szenen und die ständigen Ortswechsel ein bisschen wilder, als es viele der erfahrenen Schauspielerinnen und Schauspieler gewöhnt sind. Rödl wendet sich an „Frau Holle“, um mit der Probe ihrer Szene zu beginnen: „Hast du dein Kind dabei?“ Aber Goldmarie, alias Amelie, ist gerade in der Kemenate. Als sie gefunden ist, kann es weitergehen.

Rödl wirkt routiniert. „Wir gehen jetzt einmal alle Szenen in der richtigen Reihenfolge durch“, erklärt sie der Gruppe, die nur teilweise verkleidet ist, aber allesamt sind sie motiviert. Die erste Vorsitzende der Burgschauspieler ist begeistert von ihren Nachwuchstalenten: „So eine gute Gruppe hatte ich noch nie.“ Bei der Probe wird deutlich, was sie damit meint. Wenn sie einen Verbesserungsvorschlag nach der Szene macht, wird ihr Feedback sofort umgesetzt. Die Kinder bringen sich auch mit eigenen Ideen zu ihren Rollen ein. Friederike ist seit einem Jahr dabei. Sie wendet sich an von Saldern: „Ich habe mir Gedanken zu meinem Kostüm gemacht.“ Immerhin spielt sie eine Doppelrolle und kann zwischen den Szenen nicht so schnell das Kostüm wechseln. Damit das Publikum nicht verwirrt ist, würde sie gerne etwas an ihrem Kostüm ändern. Das Problem ist aber schnell gelöst. Ihre Weste kann als Wendeweste genutzt werden. Märchenhaft.

Text: Frankfurter Rundschau, 17.05.2024

 

Märchenzeit auf der Burg Eppstein

25. März bis 07. April 2024

Eine Burg voller Tiere

Vorschulkinder erleben die Burg Eppstein

„Hättet ihr das auch so gemacht, wie Hans im Glück und alles getauscht?“, fragt die Pädagogin Sonja von Saldern die Kinder.  „Ich hätte die Kuh behalten,“ entscheidet Nele (6), „da habe ich immer Butter, Käse und Milch.“ Die Vorschulgruppe der Kindertagesstätte Niederjosbach ist zur Führung „Die Tiere sind los!“ auf die Burg gekommen. Am Langen Stall der Burg geht es um Schlachtrösser und die Jagd. Aus einer Tasche befördern die Kinder verschiedene Hunderassen, ein Pferd und einen Ritter, der keine Rüstung trägt und lediglich mit Pfeil und Bogen bewaffnet ist, ans Tageslicht. Auch ein Falke mit einem Glöckchen am Bein, das eine Ortungsglocke darstellen soll, kommt zum Vorschein. Was eine Treibjagd ist und was die Hunde, Pferde und der Falke mit dem Glöckchen beim Jagen zu tun haben, vermittelt die Pädagogin spielerisch. Weiter geht es in die Kemenate und ins Museum, wo von Saldern drei Märchen erzählt und erklärt, welche Tiere im Mittelalter auf der Burg zu Hause waren und welchen Nutzen sie hatten.

„Es ist uns wichtig, auch die Kleinsten schon für unsere Burg zu begeistern“, so Kulturdezernentin Sabine Bergold. So hätten Eppsteiner Schulen und Kitas freien Eintritt auf die Burg und jede Grundschulklasse aus Eppstein erhalte eine kostenlose Führung. „Die Märchenführung war allerdings eine Sonderveranstaltung des Burgmuseums für die Vorschulkinder und die Ferienbetreuung“, so Bergold. Auch eine Tierführung, bei der sich Eltern oder Omas mit Kindern anmelden konnten, habe es gegeben. Bei den Märchenführungen in den Sommerferien dreht sich alles um Bienen. Die Veranstaltungen auf Burg Eppstein finden sich unter www.eppstein.de

Veranstaltungskalender liegen im Bürgerbüro und in den Rathäusern aus.

April 2024, Carolin Menke

 

Die Vorschulgruppe der Kita Niederjosbach erlebt Tiere auf der Burg, Foto: Julia Kistenmacher
Die Tiere sind los! Welche Tiere waren im Mittelalter auf der Burg zu Hause?
Wie viele Pferde brauchte ein Ritter? Gab es auch Hunde, Hasen und Vögel?
Tiermärchen regen die Fantasie an.

Fesselnde Geschichten mit der Märchenfee

01. November 2023

Sonja von Saldern erwartete die jungen Besucher als Märchenfee am Eingang zum Burgmuseum. Foto: Sabrina Reulecke

Die Ferienbetreuung der Comenius-Schule nahm die Erst- und Zweitklässler mit zu einer schaurig-gruseligen Märchenführung auf der Burg.

Museumsmitarbeiterin Sonja von Saldern erwartete die acht Kinder mit ihrem goldenen Märchenbuch und als Fee verkleidet schon am Eingang und verriet, dass es passend zum nahen Halloween, um das Thema Gespenster gehe. Da es an diesem Tag regnete, wurden die drei gruseligen Geschichten innerhalb der Burgmauern gelesen. Im Burgmuseum ging es um ein Gespenst, das sich in der Nacht durch das Schlüsselloch ins Haus schlich und die Badewanne mit Knete verstopfte. Dies brachte natürlich eine Überschwemmung mit sich, da das Gespenst den Wasserhahn aufgedreht hatte. Als von Saldern fragte, wie nun die Feuerwehr gerufen werden könnte, riefen die Kinder laut im Chor: „112!“

Im Ausstellungsraum des Museums stand im Mittelpunkt der nächsten Geschichte ein jähzorniger Mann, dem pünktlich am Hochzeitstag seine verstorbene Frau Albine als Geist erschien. Im Anschluss durften sich einige Kinder als Gespenster verkleiden. Die letzte Station war an diesem Tag die Kemenate, wo schon Gespenst Sir Simon auf die Kinder wartete. Sir Simon bewohnte eine Burg und wartete schon seit 300 Jahren, dass er erlöst würde. Dafür müsste ein Kind eine Kerze für ihn anzünden. Diese Szene wurde nachgespielt und von Saldern schloss die Geschichten mit dem Appell ab, dass sich niemand vor Gespenstern fürchten müsse.

Im Anschluss durften die jungen Teilnehmer sich dann unter Anleitung gegenseitig fesseln und so nahm die Führung ein lustiges und sehr fröhliches Ende. Als Geschichten hatte von Saldern Märchen aus der Weltliteratur neu interpretiert: Oscar Wildes Gespenst von Canterville oder Alexandre Dumas Schauerroman über „Le Chateau d’Eppstein“ und das Gespenst Albine. Neben den spannenden, fesselnden Geschichten, gefielen den Kindern besonders die vielen Requisiten, die bei jeder Geschichte zum Einsatz kamen. Auch der aktive Mitmachpart nach jeder Geschichte und die spielerischen Angebote begeisterten die jungen Teilnehmer. Da die Burg über die Winterzeit nur eingeschränkt geöffnet ist, finden die nächsten Märchenführungen erst wieder im Frühjahr statt.                  sr

Sonja von Saldern

Ahornstraße 3

65527 Niedernhausen

E-Mail: olaf@friedeck.de